mich im Namen der Musikbad Pyrmont Kulturstiftung der ersten Gruppe anzuschließen.

Damit stelle ich mich gleichzeitig in die Tradition des römischen Kaisers Titus, der ja bekanntlich, als ihm einfiel, daß er an jenem Tage noch niemandem etwas Gutes getan hatte, abends an der Tafel ausrief: „Diem perdidi“, d. h.: „Einen Tag hab’ ich verloren!“ Dieser Denkweise meines Namensvetters stimme ich aus vollem Herzen zu und intoniere gerne ein vielstimmiges „Danke“.

Dank also zunächst allen meinen Mit-Stiftern, die durch ihre Bereitschaft, dem Stiftungszweck namhafte Beträge zuzuwenden, überhaupt erst die Existenz dieser neuen Institution ermöglichten. Allein diese Gründungsmütter, -väter und -firmen haben damit die Grundlagen geschaffen, um erst weitere Zustifter und Spender zu gewinnen. Unser Land braucht dieses Engagement, denn die öffentlichen Hände sind leer. Auffallend war dabei gewiß, daß manche Musikliebhaber, zur gelegentlichen Überraschung der Initiatoren, durchaus nicht die „Erste Geige“ spielen wollten, sondern das Stiften der Euros den wirklich großherzig handelnden Mäzenen überlassen haben. „Es ist ja immer der Amateur gewesen, der wirkliche Kunstpflege gefördert hat“, so hat es schon Arnold Schönberg beobachtet, und unsere Erfahrung gibt ihm darin ganz recht.

Das nächste „Danke“ gilt dem Staatsbad, daß uns hier heute eine ebenso großartige Plattform bietet wie auch die Pyrmonter Nachrichten, die mit einer sog. Medien-Partnerschaft unser Vorhaben aktiv unterfütterten. Und dann muß ich von der von Albrecht Puhlmann geleiteten Staatsoper Hannover sprechen, die sich unserer guten Sache sozusagen mit „Pauken und Trompeten“ angeschlossen hat, denn das ganze Orchester verzichtet selbstlos auf alle Einnahmen zugunsten unserer Kulturstiftung.

Ich darf deshalb an dieser Stelle auch dem Herrn Minister dafür Dank sagen, daß er der Intendanz so viel Freiraum gewährte, den diese innovativ nutzte, um sich mit unserer Region künstlerisch zu verbandeln. Auch wenn ich einräume, daß der permanent geführte  Verteilungskampf zwischen Kunst und Kapital (sprich: Haushaltsmitteln) nicht ohne Blessuren auf beiden Seiten abgehen kann, zählt in unserem Fall doch nur das positive Ergebnis.

Ich bedanke mich insbesondere auch für Ihre Worte, Herr Stratmann: Wir alle finden Spontaneität außerordentlich positiv. Besonders dann, wenn jemand so spontan, wie Sie es getan haben, unsere Meinung artikuliert. Ich glaube, ich bringe es auf den Punkt, wenn ich sage: Die neue Kulturstiftung hat eine Ehe zustande gebracht, die Bad Pyrmont kulturell mit der Landeshauptstadt auf eine Weise verbindet, wie das vorher so nicht der Fall war.

Die Folgen dieser neu erblühten Liebe werden alsbald hörbar werden, denn es sind bereits entsprechende Vereinbarungen zwischen Staatsoper und Staatsbad, bzw. der arche-Kammermusik getroffen worden. Da hat mancher Zeitgenosse wohl zunächst nicht die Phantasie gehabt, die in dieser Kooperation angelegte größere Dimension zu erkennen und sie deshalb negiert oder gar attackiert. Dazu sage ich nur: Es gehört halt zum Wesen der Vorhut, daß sie oft hinten mehr Wunden hat, als vorne.

Es existieren bereits konkrete für das Pyrmonter Konzertleben sehr, sehr positive Entwicklungen, die erst durch unsere Stiftung ermöglicht werden, über die wir die Öffentlichkeit gerne unterrichten werden. Schon in acht Tagen findet das von uns gefördete und überhaupt erst hierher geholte Treffen der internationalen Telemann-Gesellschaften statt, das Pyrmont in das internationale Telemann-Städte-Netzwerk zwischen Paris und Polen einbinden wird. Sie mögen aus all’ dem ersehen, wieviel das neue Instrument „Kulturstiftung“ aus der alten Partitur „Pyrmont“ herausholen kann!

Dabei sollten Sie alle aktiv mitspielen - aber bitte spenden Sie uns keinen Trost - trösten Sie uns lieber mit einer Spende! Damit auch wieder hörbar wird: Da oben (Orgel), das ist keine Dekoration - das ist ein Instrument! Da sollen wieder alle Register gezogen werden! Die wollen wir hören, nicht erst im Himmel, sondern hier auf Erden. Stiftern mit 5000 € werden wir mit einer im Foyer dieses Hauses angebrachten Ehrentafel besonders danken.

Bei dieser Gelegenheit erläutere ich Ihnen auch gerne, warum wir dies Konzert mit der Akademischen Festouvertüre eröffnet haben. Gewiß: Da hat mancher sein „Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus“ mitgebrummt. Aber darum war es uns nicht zu tun. Nein, wir haben sie natürlich nur wegen der für uns einzig maßgebenden 6. Strophe spielen lassen! Nachdem nämlich der Dichter dieses Studentenlieds u.a. die Schule und die Mädchen hat hochleben lassen, heißt es dann in der deutschen Übersetzung: 

Hoch auf das gemeine Wohl,
und jene, die es leitet!
Trinkt auf unsre gute Stadt,
auf der Gönner Freundestat,
die fördernd uns begleitet!

Darauf dürfen Sie in der Pause mit mir in der Tat anstoßen! Aber zuvor erklingt jetzt noch ein virtuoses musikalisches Werk, auf das ich aber nicht näher eingehen möchte. Denn, wie schon Grillparzer sagt: „Wissen S’, beschriebene Musik ist halt immer wie ein erzähltes Mittagessen.“ Davon wird man folglich nicht satt.

Gleichwohl darf ich mir wünschen, daß Sie die erlebte Musik hungrig auf mehr musikalische Geheimnisse macht: Jedes Werk stellt eine neue Frage. Jede Interpretation gibt eine neue Antwort. Darum gilt mein letzter Dank den Meistern der Musik. Mit diesen Künstlern eine harmonische Verbindung einzugehen, dafür steht die Kulturstiftung und ein Publikum, das den vitalen Bestand der Musikliteratur liebt, hört, reflektiert und hoffentlich auch weiter sponsert. Denn wir alle sind dafür verantwortlich, daß die musikalische Bildung nicht sozusagen „sang- und klanglos“ vor dem allgegenwärtigen ästhetischen Banausentum kapituliert!

In diesem Sommer war viel vom Wetter die Rede. Ich betrachte das, was ich hier heute von Herrn Stratmann und Herrn Blome gehört habe, meteorologisch gesprochen, als Rückenwind. Sollte es aber noch zu Niederschlägen kommen, dann haben wir ja dafür unsern Schirmherrn. Der ist logischerweise ohne Schirm nicht denkbar. Daher erlaube ich mir in Ihrem Namen, Herrn Puhlmann einen solchen dankbar und prophylaktisch zu überreichen.        .