ich mich nun naturgemäß freue, hier richtig gelegen zu haben. Aber ehrlich gesagt: Dieses konkrete Projekt war damals doch ein sehr utopisches Objekt der Begierde.  

Die vielen Badereisen Georg Philipp Telemanns nach Pyrmont boten 2004 auch den Anlaß zu der Anregung, „man“ möge doch der besonders leidenschaftlichen barocken „Bluhmenliebe“ des Komponisten in unserer Parklandschaft ein dauerhaftes Denkmal setzen. Das ist in einem Kurgarten, der seinerseits schon den Denkmalstatus besitzt, leichter gesagt als getan. Denn: Wer, bitteschön, ist eigentlich „man“? Nun, die Musikbad Pyrmont Kulturstiftung hat sich sehr konkret angesprochen gefühlt und danach genau einen Schritt nach dem anderen unternommen, um sich alsbald auf den
Zuspruch von immer mehr Partnern stützen zu dürfen.

Wir haben jedenfalls Herrn Kurdirektor Blome das utopische Anliegen nachhaltig vorgetragen. Und nun ereignete sich das, was ich hoch anerkenne: In sehr zupackender, direkter Art und Weise ging Herr Blome diese Sache an und stellte mit Herrn Gartenbaumeister Mäkler auch zugleich den richtigen kreativen Kopf für die praktische Planung zur Verfügung.  

Wer Herrn Blome kennt, weiß allerdings, daß mit ihm Projekte nach dem Schema „Die einen liefern die Idee – das Staatsbad trägt die Kosten“ irgendwie nicht gut funktionieren. Deshalb fand ich es schon sehr großherzig, daß das Staatsbad den Löwenanteil der Kosten durch Eigenarbeit abgedeckt hat. Die fehlende Summe mußte aber ohne Wenn und Aber von meiner Kulturstiftung eingeworben werden. Wir haben dann mit dem Telemann-Wort „Lust und Fleiß kann Wege finden“ viel intensive Überzeugungsarbeit bei potentiellen Sponsoren geleistet.  

Ich darf zuerst die auswärtige Telemann-Gesellschaft Magdeburg nennen, weil sie durch Herrn Reipsch das Thema historisch aufbereitet und hier anläßlich der Tagung 2004 vorgestellt und den Garten jetzt auch aktiv gefördert hat. Alle drei dem Gemeinwohl verpflichteten Pyrmonter Institutionen, Freimaurerloge, Lions-, und Rotary-Club haben sich bemerkenswerterweise erstmals gemeinsam für eine Aufgabe eingesetzt. Dazu traten die Commerzbank, die Stadtwerke und bitte nicht zu vergessen, natürlich auch meine Musikbad Pyrmont Kulturstiftung und einige Privat-Adressen.  

Ich möchte mich bei allen Genannten für ihr bürgerschaftliches Engagement sehr, sehr herzlich bedanken, aber besonders die Leistung des Staatsbades hervorheben, denn unser aller Bemühen wäre ohne seinen Grund und Boden ein Luftschloß geblieben! Gleichzeitig hat aber auch dieses ca. 1810 gebauten Teehaus nun endlich eine adäquate „Fassung“ bekommen, die sich zugleich wieder an historischen Vorbildern orientiert.  

Ich bin mir vollkommen sicher, daß der gerade 325 Jahre alt gewordene Telemann, wenn er jetzt im Mai wieder die alten Glieder reckt und die rechte Sehnsucht nach den „Pyrmonter Kurwochen“ in ihm erneut erwacht, er in diesem Jahr abermals aufbrechen wird, um das Wasser am Hylligen Born zu schlürfen, um dort die seidene Luft zu atmen und um unsere bekannte Harmonie von Natur und Kultur so intensiv zu erleben, daß sie ihm als Gesamtkunstwerk mit inspirierenden Melodien wiederum durch den Kopf brausen wird...  
Hier, gerade hier in „seinem“ Garten wird er am liebsten Rast machen und seine Frühlings-Kantate „Alles redet jetzt und singet“ wird ihm in den Sinn kommen und sich alsbald zu einer wohltönenden „Pyrmonter Pastorale“ formieren. Und wenn Sie alle nächstens wiederkommen, werden wohl all’ diese Reden verklungen sein, doch das Singen und Klingen werden Sie leise, aber desto deutlicher vernehmen, so daß Sie sogar die Noten aus den Zweigen pflücken können!  

So gesehen ist dieses neue „Pyrmonter Paradies-Gärtlein“ auch ein Plätzchen – um auf meine anfangs angesprochene Ahnung zurückzukommen – für alle, die in Zukunft eine Ahnung davon bekommen wollen, was musikalisch in der Luft liegt. Ich habe hierzu bereits das zukunftsweisende Kulturstiftungs-Projekt „Pyrmonter Klangräume“ ausgerufen, das dafür den historischen Spielraum liefern soll. Ab heute darf man nun davon sprechen, daß jedenfalls Telemann innerhalb dieser „Klangräume“ sein schön möbliertes neues „Apartment“ bereits bezogen hat. Doch damit wird es nicht sein Bewenden haben. Telemann wird auch in diesem Jahr hier noch mit weiteren spannenden „Televisionen“ zu hören sein! Der Vortrag von Prof. Brusniak, als Vertreter der Telemann-Gesellschaft, wird Sie heute abend im Kurtheater weiter darauf einstimmen.

Liebes Publikum, machen Sie es wie ich: Freuen Sie sich darauf!