notwendig gewordene Abstimmungsfeinheiten am Werk vollendet worden. Mit dem anspruchsvollen virtuosen Programm dieses Abends läßt sich jedenfalls die künstlerische Bandbreite dieser Orgel eindrucksvoll darstellen. 
                     
Die für unser Musikleben so tiefgreifende und förderliche Aktion, wie eben die Sanierung der Konzertsaalorgel, ist ein begeisterndes Beispiel  bürgerlichen Engagements. Sie werden verstehen, daß ich mich für meine Musikbad Pyrmont Kulturstiftung darüber extrem gefreut habe, und zwar „con affetto“, also „mit Gefühl“. Aber das   ging mir nicht alleine so. Nach der festlichen Orgeleinweihung traf nämlich auf unserem Konto eine würdige Spende von einer Dame ein, die damit ihre stille Freude über das Ereignis ausdrücken wollte und auf meinen Dank hin sagte: „Aber es muß doch weitergehen!“ Ja, das muß es, meine Damen und Herren. Denn Kultur braucht eine Lobby. Und natürlich sind alle gespendeten Euro auch die Quelle zukünftiger musikalischer Klangwelten, von denen ich durchaus schon eine faßbare Vorstellung habe.
 
Ich bin dem Organisten, Herrn Oliver Kluge, deshalb außerordentlich für seine aus freien Stücken geleistete generöse Geste dankbar, den Ertrag dieses Konzertabends ganz der Kulturstiftung und ihren künftigen Aufgaben zu widmen! Ich bedanke mich zugleich beim Pyrmonter Staatsbad, daß sich diesem Zweck ebenfalls großherzig angeschlossen hat. - Und weil ja geschrieben steht: „Gehet hin und tuet desgleichen!“ bitte ich Sie jetzt aber nicht, ebenfalls in die Tasten zu greifen, sondern lieber ins Portemonnaie… Machen Sie sich und uns damit Mut zu mehr guter Musik! Denn wie Karl Valentin einmal so treffend erkannte: „Wir sind nämlich auf Sie angewiesen. Und Sie nicht auf uns. Merken Sie sich das!“
 
Nichts zeigt das z. B. so deutlich wie die Szene, in der im letzten Jahr der Pfarrer so aufgeregt reagierte. In zehn Minuten sollte der Abendgottesdienst beginnen, aber noch waren keine Gläubigen zu sehen. Sogar der Organist hatte sich verspätet, nur der Kirchendiener entzündete die Kerzen; nun guckt er auf die Uhr und will auch die Kirche verlassen. Der Pfarrer hält ihn auf, schaut zur verwaisten Orgel hinauf und fragt: „Wer spielt eigentlich heute?“ Die Antwort: „Deutschland gegen Argentinien!“
Das Spiel ging 5:3 für uns aus, eine mittlere Orgel, verfügt dagegen rein rechnerisch über ca. sieben Millionen unterschiedliche Klangkombinationen. Daß ich nicht zuletzt deshalb von der Position des Organisten privat eine so ehrenwerte Vorstellung hege, das habe ich an dieser Stelle schon einmal bekannt und inzwischen auch festgestellt, daß ich mit dieser Phantasie nicht alleine bin. Mit Christian Morgenstern bin ich da in ganz gute Gesellschaft geraten. Hören Sie nur, wie ihn der Platz des Organisten poetisch in einen wahren „Macht-Rausch“ versetzte:
 
Dich zu spielen, gewaltige Orgel.
Allein,                                                
mit tastenden Händen
über den Herzen der Welt!
Mit jedem Griff
ein unnennbar lockendes,
Stürmen und Säuseln
abgrundentfesselnd, –
eine Fuge
aus Seufzern,
Gelächtern,
Flüchen,
Wehklagen,
Wollüsten,
und Jauchzern ... 
So zu sitzen!
Allein,
vor brausendem Tönemeer -
unter meiner Hand,
ein so mächtiges,
auf und nieder rauschendes Tönemeer...
Und ein Lauschen
auf allen Sternen ...

Wer bekommt da nicht Lust auf die Orgelbank? Aber ganz so weit wie Morgenstern würde ich denn doch nicht gehen: „Ein Lauschen auf allen Sternen...“ also auf allen bezahlten Plätzen des Saales würde dem Kurdirektor durchaus genügen und das Herz des Organisten erwärmen. Und meines vor Freude hüpfen lassen. Einstweilen viel Vergnügen mit der nun wieder so lebendig atmenden „musikalischen Lunge“ dieses Konzertsaals oder anders, aber durchaus richtig gesagt, mit Bad Pyrmonts ganz großem „Blasinstrument“!