sie für den Verlauf und das Selbstverständnis dieser Sitzung von grundlegender Bedeutung sind (dies geschieht). D. h., Sie haben jetzt zunächst Anspruch auf den Tätigkeitsbericht des Vorstands der Kulturstiftung, und da trifft es sich gut, daß ich in Gestalt des nun geforderten Vorsitzenden ebenfalls zur Stelle bin...

Ich habe meinen Rückblick schriftlich umfangreicher niedergelegt, als man es „normalerweise“ beanspruchen dürfte. Dieser erste Bericht ist aber kein normaler Fall, sondern einer von ebenfalls grundlegender Bedeutung. Wenn spätere Geschlechter einmal die Geschichte unserer Stiftung schreiben sollten, dann wird man für eine einigermaßen genaue Erklärung und Beschreibung der Umstände dankbar sein, die zur Gründung unserer Institution geführt haben. Da ich z. B. u. a. Nachforschungen für die Jubiläen der Sparkasse, der „Spelunke“, dem Fürstenhof, dem KVV oder der Loge angestellt habe, weiß ich, wie schmerzlich dann eine dünne Quellenlage empfunden wird. Auch wenn Sie als Zeitgenossen alles gerade miterlebt haben und deshalb keiner Gedächtnis-Auffrischung bedürfen, können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, daß schon in kürzester Zeit alle näheren Einzelheiten verloren gegangen oder schwer zu recherchieren sein werden. Ich habe mir diese Arbeit auch gerade deswegen gemacht, weil ich davon ausgehe, daß unsere Stiftung im kulturellen Leben dieser Stadt in zukünftiger Zeit sicher eine wesentliche Stellung einnehmen wird, die sie aufgrund ihrer noch zu geringen finanziellen Ausstattung z. Zt. noch nicht bekleiden kann. Ich glaube, daß auch für die Mehrheit von Ihnen diese Langzeit-Perspektive ausschlaggebender für die Zuwendung gewesen ist, als der nur einmal zu kassierende steuerliche Vorteil.

 

Die Vorgeschichte

Anfang des Jahres 2003 sprach der Leiter der Musikschule, Arndt Jubal Mehring, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der immer knapper werdenden öffentlichen Mittel, mit dem Organisten der Stadtkirche, Oliver Kluge, über seine Wunsch-Idee für eine zu errichtende Stiftung zur Förderung der Musik. Die beiden Herren begaben sich dann im April zusammen mit der Staatsbad-Veranstaltungs-leiterin Silke Schauer zum Bürgermeister Klaus-Henning Demuth, um diese Idee durchzuspielen, von der auch der Vorsitzende der „arche“-kammermusik, Hartmut Kuhn, wußte. Dieses Stiftungsprojekt stieß nun beim Bürgermeister auf besonderes Interesse, denn   - was die Initiatoren indes nicht wissen konnten - gab es in Sachen „Stiftung“ bereits eine längere lokale Vorgeschichte.

So hatten Bürgermeister Demuth und der damalige Sparkassendirektor Wolfgang Ruthemann, schon im Jahre 1989 darüber beraten, eine sog. „Bürgerstiftung“ zu gründen. Beide Herren, zu denen ich ein freundschaftliches Verhältnis unterhielt, zogen mich damals ins Vertrauen und baten mich, deren Vorsitz zu übernehmen. Ich sagte sehr gerne zu und entwarf auch gleich ein Logo für die von mir namentlich vorgeschlagene „Pro Pyrmont“-Stiftung. Es wurde von uns danach in mehreren Schritten eine Satzung ausgearbeitet, die dem Finanzamt bereits zur Begutachtung vorgelegt worden ist. Erhalten hat sich davon nur meine Formulierung der Präambel, die später fast wortwörtlich in diejenige der Kulturstiftung einging.

In der Folge wurde dieses Projekt durch zwei Ereignisse verhindert. Zum einen zeichnete sich ab, daß ich, nachdem ich 2001 für das Stadtparlament kandidiert hatte und schließlich auch als gewählter CDU-Mann dort einzog, natürlicherweise nicht mehr den überparteilichen Status beanspruchen konnte, der gerade für eine Bürgerstiftung erforderlich erschien, da sie letztlich im Hinblick auf die auszuschüttenden Gelder auch oftmals Bereiche berühren würde, die parteipolitisch im Streit stehen könnten. Zum anderen verstarb 2002 Herr Ruthemann, der als Motor der Initiative nun nicht mehr zur Verfügung stand. Die vielfältigen Bemühungen des Bürgermeisters, jetzt einen anderen Vorsitzenden für die Aufgabe zu gewinnen, schlugen allesamt fehl. Als er gerade wieder eine diesbezügliche Absage zur Kenntnis nehmen mußte, erschien es ihm in dieser Lage infolgedessen durchaus aussichtsreicher, eine Musik-Stiftung anzustreben, die dazu noch den Vorteil hatte, daß sie sich von den bereits bestehenden Kultur-Einrichtungen bezüglich des Satzungsziels deutlicher separieren würde, als die in dieser Hinsicht viel problematischere und kapitalintensivere Bürgerstiftung. Herr Demuth gab dem vorsprechenden Trio deshalb den Hinweis, sich bitte auch mit mir als möglichem Partner in Verbindung zu setzen.

 

Die Beratungsphase

Ohne davon schon Kenntnis zu haben, sprach ich genau zeitgleich bereits meinerseits Herrn Mehring im Foyer des Konzerthauses auf die dortige restaurierungsbedürftige Orgel an. So kam es, daß im Sommer des Jahres 2003 sich also folgende Vordenker in Sachen Musik-Stiftung zusammenfanden (in alphabetischer Reihenfolge):

Kurdirektor Heinz-Herrmann Blome [*1949] mußte aus Terminnot überwiegend absagen, er wurde aber immer über den Stand der Dinge informiert. Meist zugegen waren Bürgermeister Klaus-Hen-ning Demuth [*1950] und Silke Schauer ([*1966] Veranstaltungsleiterin des Staatsbades, stellv. Vorsitzende in der Landesgruppe Niedersachsen der „Inthega“ [Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen]); ganz regelmäßig berieten Herr Oliver Kluge ([*1969] stellv. Vorsitzender der „arche“-kammermusik, Organist der Stadtkirche und Titularorganist des Konzerthauses), Hartmut Kuhn ([*1935] Architekt BDB, Vorsitzender der „arche“-kammer-musik e.V., Vorsitzender der Geschwister-Völkers-Stiftung), Titus Malms ([*1941] Werbeberater und Texter, als Ratsherr Mitglied im Kultur- und Sportausschuß und im „Kuratorium Schloß Pyrmont“, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bad Pyrmont Tourismus-GmbH, und im übrigen von 1988-94 Nachfolger Kuhns (1980-88)  im Amt des Meisters vom Stuhl der Pyrmonter Freimaurerloge „Friedrich zu den drei Quellen“, dazu Arndt Jubal Mehring ([*1963] Flötist, Leiter der Musikschule und des „Torhaus Ensembles“). Dieser Personenkreis traf sich ab 21. Juli mindestens monatlich um die sehr diffizilen Fragen der Satzung, der rechtlichen und steuerlichen Fragen zu besprechen. Ich hatte mich dabei bereits in der zweiten Sitzung als sog. „Erststifter“ zu erkennen gegeben. Dies sollte allen Beteiligten Mut machen, und gleichzeitig nahm ich in der Folge an den Beratungen in dem Bewußtsein teil, ganz besonders die Interessen der Stifter an diesem Vertragswerk zu vertreten.

Wie leicht einzusehen, ergab sich nun eine Fülle von Aspekten, die wir mit aktiver Hilfe des Steuerberaters und bereits als Stiftungsverwalter tätigen Herrn Genge gerade noch rechtzeitig im Einvernehmen mit Finanzamt und Stiftungsaufsicht bis zum Heiligen Abend, 12 Uhr mittags, lösen konnten. Das klingt dramatisch – war es in der Tat aber auch. Denn erst durch das erfolgreiche Einwerben von mindestens 50.000,- Euro (es wurden dann faktisch 71.500,-) konnte überhaupt sichergestellt werden, die Anerkennung des Finanzamtes zu erlangen und gleichzeitig war erst diese Anerkennung auch die Voraussetzung, daß die Stadtsparkasse noch 2003 mit einer erheblichen Zuwendendung als Stifter auftreten wollte und konnte. Die letzten für den notwendigen Mindestbetrag erforderlichen Beträge konnten erst ganz kurz vor Weihnachten unterschriftsreif erbeten werden. Ich habe da Blut und Wasser geschwitzt und leider auch mancherlei Enttäuschung erlebt, bisweilen kam aber auch schlicht der Zufall zu Hilfe.

Gleichzeitig gingen bis zum 23. Dezember die Abstimmungen über Herrn Genge mit dem Finanzamt über die Ausgestaltung der Satzung hin und her, fast jeder zweite Tag erbrachte eine neue Lage. Das sah im einzelnen z. B. so aus, daß morgens die Stellungnahme der Behörde einging, nachmittags kam es dann zur Besprechung bei Genge, weitere Korrekturen vom Büro Kuhn liefen bei mir um Mitternacht ein, ich faxte meine Anmerkungen dazu um vier Uhr früh zurück, um acht Uhr war Kuhn mit der verbesserten Fassung wieder bei Genge, der seinerseits unsere neue Stellungnahme sogleich mit dem Sachbearbeiter des Finanzamtes abstimmen konnte. Eine vergleichbare Konstellation dürfte man nicht so leicht finden. Aber nur deshalb konnte in der zur Verfügung stehenden Zeit das Vertragswerk überhaupt zustande kommen.

An dieser Stelle muß auch noch davon die Rede sein, wie es kam, die Staatsoper Hannover als Schirmherrn für die Stiftung zu gewinnen. Im Jahre 2002 feierte das Opernhaus sein 150jähriges Bestehen mit der Aufführung von „Passo“, von Hans-Joachim Hespos, unter der Beteilung von 500 Musikschülern aus ganz Niedersachsen. Als künstlerischer Leiter des Projekts kam Herr Mehring auf diese Weise mit dem hannoverschen Intendanten Albrecht Puhlmann in Kontakt, den er dann 2003 im Beisein von Herrn Kluge bei einem Treffen in Hannover spontan für eine Zusammenarbeit mit der Stiftung in Gründung gewinnen konnte. Die verbindliche Zusage lief offiziell über unseren Bürgermeister. Diese Entscheidung des Intendanten Puhlmann [*1955] zugunsten unserer Stiftung führte zu einer sehr weitreichenden Weichenstellung, denn nur so konnte die Stiftung in die Lage kommen, erstmals eine kontinuierliche Zusammenarbeit von Staatsbad und Staatsoper zu befördern. Zusammen mit unserem Konzept, Musik von der Ausbildung bis zur Aufführung zu fördern, hebt dieser Dreiklang unsere Kulturstiftung deutlich von anderen ab.

 

Die Gründung

Es versteht sich von selbst, daß die grundlegende Regulierung all dieser Fragen viel Nachdenken beanspruchte und etliche Sitzungsstunden erforderte. Mehrere zeitraubende Beratungen fanden im Konferenzraum des Staatsbades statt; dann gab es einige Besprechungen bei Herrn Steuerberater Genge; das Stiftungsgeschäft mit der konstituierender Sitzung ging am 10. Dezember 2003 um 16 Uhr im „Zentrum der Musik“ vor sich, zugleich  installierten wir dort die Geschäftsstelle und setzten die Satzung in Kraft. Anschließend haben wir mit einem Glas Sekt auf die Zukunft angestoßen.

Die Unterzeichner des Stiftungsgeschäftes waren:

Titus Malms, Hartmut Kuhn, Roswitha Schlichte, Klaus Eisert (Phoenix Blomberg/Bad Pyrmont), Heide Vietmeyer, Hans-Otto Siekmann, Hans-Jürgen Ottomeyer, Dr. Gerd Schlattmann, Jürgen Neelmeier, Dr. Christa Stukenbrock, Prof. Dr. Rolf Meermann, Dr. Yazid Shammout (für DANA Ambulante Pflegedienste, Hannover), Brigitte Britzke, Reinhold Reker (Pyrmonter Geschäftsstellenleiter, für die Volksbank Hameln-Stadthagen), Christina Müller. Alle diese Adressen gehören dem Stiftungsrat an. Zu ihnen traten dann später hinzu: Martin Lauffer (Sparkassendirektor, für die Stadtsparkasse Bad Pyrmont), Prof. Dr. Helmut Minne und Werner Brandstetter.

Diesen Stiftern sind wir großen Dank schuldig, denn sie sind alle konstituierende und bekennende Träger der Stiftungsidee.

Mit einer vom Bürgermeister geleiteten Wahl wurden am gleichen Tag die Vorstandsämter dann wie folgt besetzt:

Vorsitzender Titus Malms, stellv. Vorsitzender Arndt Jubal Mehring, Schatzmeister Hartmut Kuhn, Schriftführerin Silke Schauer, weitere Vorstandsmitglieder: Klaus-Henning Demuth, Oliver Kluge und ohne Stimmrecht Albrecht Puhlmann.

Die Regularien fanden ihre Abrundung noch durch die Geschäftsordnung, die sich der Vorstand am 13. Februar 2004 gab. Sie enthält wichtige Bestimmungen, die nicht von so grundsätzlicher Natur sind, wie die Satzung.

Am 7. Juni 2004 überbrachte uns der amtierende Regierungspräsident Mönkemeyer die Anerkennungsurkunde der (nur noch bis Ende 2004 existierenden) Bezirksregierung Hannover persönlich, was als „Premiere“ von der Presse stark beachtet wurde. Da mir in letzter Minute aufgefallen war, daß noch vor dem letzten Zahlungstag, die Landesregierung die Gebührenregelung abgeschafft hatte, stellte ich einen Antrag auf Erlaß, dem stattgegeben werden mußte. So konnten die vorsorglich für diesen Zweck von mir eingeworbenen 400,- Euro erfreulicherweise auch noch unserem Stiftungskapital zufließen.

Wie oben schon erwähnt, mußte die Stadtsparkasse ihre Zuwendung davon abhängig machen, daß aus der Bürgerschaft heraus mindestens 50.000,- Euro aufgebracht werden würden. Das war auch der Betrag, den das Finanzamt als Minimum für die Anerkennung signalisiert hatte. D. h. wir waren nun also gezwungen, in wenigen Tagen diese Bedingungen zu erfüllen, andernfalls uns dieses Kapital und auch die steuerliche Anerkennung noch für 2003 entgangen wären. Dabei leistete uns das vierseitige Infoblatt unter dem Motto „ Mehr Fördern statt Fordern“ gute Dienste, das Herr Mehring und ich ad hoc in einer langen Nachtsitzung, zusammen mit dem gültigen Stiftungs-Logo, entworfen hatten. (Es wurde, ebenso wie das Briefpapier, vom Berufsförderungswerk gedruckt.) Man wird deshalb verstehen, mit welch großer innerer Freude ich das Weihnachtsfest ’03 gefeiert habe, nachdem alle diese Voraussetzungen übererfüllt und aus den zunächst 11 noch 15 Unterzeichner des Stiftungsgeschäftes geworden waren. Dabei gestaltete sich das unter Zeitdruck erforderliche Einsammeln der Unterschriften in einigen Fällen noch als hochkompliziert. Ich kam mir bisweilen vor, wie der Reiter über den Bodensee. Am letzten Buchungstag des Jahres, wurden uns schließlich noch vereinbarungsgemäß die zwei hohen Tranchen von der Stadtsparkasse (M. Lauffer) für die Stiftungskasse überwiesen. Dementsprechend begannen wir das neue Jahr mit einem Guthaben von 171.500,- Euro.

 

Öffentlichkeitsarbeit und vollzogene Projekte

Mit einer Pressekonferenz vom 3. Dezember 2003 und in einigen längeren Radio-Interviews (je eine Stunde) machten wir recht frühzeitig unser Stiftungs-Konzept der Öffentlichkeit bekannt.

Und genau vier Wochen nach der Gründung, stellte sich die Kulturstiftung am 10. Januar 2004 erstmals mit einer öffentlichen künstlerischen Veranstaltung im Kurtheater vor. Sie war allerdings schon zuvor in der Haushaltsdebatte des Rates Gegenstand einer Kontroverse geworden, die die Aufmerksamkeit für die neue Stiftung nur erhöht hatte. Das Publikum im vollbesetzten Kurtheater und die Presse waren dann vom hohen Niveau der in- und ausländischen Künstler, die ohne Honorar auftraten, begeistert. Unter der Moderation von Herrn Puhlmann wurden die Vorstandsmitglieder, die die zuwendungsberechtigten Institutionen vertraten, interviewt. Ich hatte mir eine humorvolle Begrüßung im launigen Loriot-Stil einfallen lassen (siehe hier unter "Grußworte") und die gute Laune blieb bis zum abschließenden Sektempfang spürbar präsent, bei dem ich vor allem den Satz hörte: „So eine Stiftung hat in Bad Pyrmont wirklich noch gefehlt.“

Am 29. August veranstaltete die „arche“-kammermusik ebenfalls im Kurtheater ein Benefizkonzert zugunsten unserer Stiftung mit dem Violin-Duo Albrecht und Heinrich Rau, den beiden aus Bad Pyrmont stammenden Konzertmeistern der Orchester aus Brandenburg bzw. Nürnberg. Das virtuos dargebotene Programm der Brüder, die sich um die Ersteinspielung der Pyrmonter Kurwoche von Telemann verdient gemacht haben, wurde ein künstlerischer Erfolg, dem wir zugleich ca. 1500,- Euro Kapital verdanken.

Unser Stiftungskonzert am 25.9. war natürlich der einsame Höhepunkt dieses Jahres. Schon im Januar hatte ich die Zusage von Minister Lutz Stratmann gewonnen, daß er dabei die Grüße der Landesregierung überbringen werde. Er hat bei seinem Besuch das außergewöhnliche, beispielhafte bürgerschaftliche Engagement hervorgehoben und der Stiftung und ihren Machern Glück und Geschick für den weiteren Fortgang gewünscht. Das hat zusammen mit dem sehr eindrucksvoll vorgetragenen musikalischen Programm unter der Leitung von GMD Shao-Chia Lü eine sehr nachhaltige öffentliche Wirkung erzielt. Kurdirektor Blome hatte zuvor vom „Meilenstein in der Geschichte des Musikbades“ gesprochen.

Ich habe versucht, mit meinem Dank an alle Beteiligten dazu beizutragen, die Stiftung innerhalb des vorgegebenen Rahmens kulturpolitisch wirksam zu positionieren. Die musikalische Bildung möge nicht „sang- und klanglos“ vor dem allgegenwärtigen ästhetischen Banausentum kapitulieren. Ich appellierte für die Restaurierung der Orgel und etablierte die sog. „Orgel-Box“ für Spendengelder im Konzerthaus-Foyer. Mit den uns brutto zufließenden Eintrittserlösen von ca. 14.500,- Euro und den ca. 2000,- Euro von mir an diesem Tag „provozierten“ Orgel-Spenden übersprang damit das für die Kulturstiftung insgesamt eingeworbene Kapital immerhin noch vor Ablauf eines Jahres die 200.000,- Euro-Marke.

Das Treffen der internationalen Telemann-Gesellschaften schloß sich bereits acht Tage später, am 2./3. Oktober mit neuen Aktivitäten an. Ich bin wirklich stolz darauf, daß es unserer so jungen Stiftung gleich gelungen ist, eine derartig niveauvolle Veranstaltung in unsere Stadt zu holen. Und ich glaube, daß dieses Investment uns noch einige Zinsen einbringen wird. So wurde z. B. vereinbart, daß die Preisträger des 3. Internationalen Telemann-Wettbewerbs im März 2005 in Magdeburg, der unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt für Barockvioline und Viola da gamba ausgetragen wird, neben Leipzig auch eine Auftrittsmöglichkeit in Bad Pyrmont für zu uns sehr günstigen Sonderkonditionen erhalten sollen. Die Jury des alle zwei Jahre veranstalteten Wettbewerbs ist mit Mitgliedern aus sechs Ländern besetzt. Es ist daran gedacht, künftig die Telemann-Städte Magdeburg, Frankfurt, Hamburg, Paris, Krakau und Bad Pyrmont weiter dergestalt zu vernetzen. Die Anregung des Präsidenten Székely (Ungarn) in Bad Pyrmont einen besonderen, nach den Plänen des ausgewiesenen Blumen-Liebhabers Telemann eingerichteten Garten anzupflanzen, haben wir mit  entsprechenden Informationen an das Staatsbad für das 300jährige Musikbad-Pyrmont-Jubiläum ’06 weitergeleitet.

Die Konzerthausorgel hat uns mehrfach beschäftigt. Ihre Restaurierung ist unser erklärtes satzungsgemäßes Anliegen. Herr Kluge hat auf unseren Wunsch hin ein Exposé vorgelegt, in dem erstmals gesicherte Feststellungen zur Beurteilung des Instrumentes vorgelegt wurden. Wie sich zeigte, bildet die Konzeption dieses in der deutschen Orgellandschaft sehr selten gewordenen Werktyps ideale Voraussetzungen dafür, die reiche Konzertliteratur der Spätromantik authentisch wiederzugeben. Die zwei von Herrn Kluge eingeholten Kostenvoranschläge zu den Restaurierungskosten werden von ihm zusammenfassend so interpretiert, daß mit ca. 100.000,- Euro ein Instrument wieder spielbar gemacht werden könnte, welches das Musikleben der ganzen Region nachhaltig bereichern würde. Es wurde auch schon Kontakt mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege aufgenommen, und es ist bereits gelungen, die Anerkennung als „einzige noch erhaltene historische Konzertsaalorgel Niedersachsens“, zu bekommen, die infolgedessen als „uneingeschränkt erhaltenswertes“ Denkmal anzusehen ist. Daraufhin haben wir Förderanträge bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der VGH-Stiftung veranlaßt.

 

Verwendung der Stiftungsgelder

Mit Mitteln der Kulturstiftung wurden in diesem Jahr besonders unterstützt: Das „Klassik im Park“- Konzert im Kurpark, der aktive Musikunterricht für alle Grundschüler im Bereich der Musikschule, das Gustav-Leohardt-Orgelkonzert in Welsede im Rahmen der Pyrmonter Orgeltage und für die „arche“-kammermusik der Auftritt des „Accento“ Streichtrios.

 

Die Vorstandsarbeit

Wir haben in diesem Jahr bis jetzt fünf reguläre Vorstandssitzungen abgehalten. So viele werden zukünftig jährlich wohl nicht erforderlich sein. Aber die Häufigkeit hat natürlich auch dazu beigetragen, schneller zueinander zu finden.

Über das zentrale Feld der Finanzen wird der Schatzmeister einen gesonderten Bericht abgeben.

Grundsätzlich ist zu sagen, daß sich die Zusammensetzung des Vorstands aus meiner Sicht als glücklich erwiesen hat. Alle Mitglieder des Vorstands sind auch in anderen kulturpolitischen, oder künstlerischen Feldern mit eigenen Aktivitäten hervorgetreten und im kulturellen Leben unserer Stadt präsent. In dieser vorhandenen Atmosphäre der gemeinsamen Interessen hat die Stiftung schon bald ganz selbstverständlich ihren Platz im Denken und Handeln der Verantwortlichen gefunden.

Alle Beratungen gingen immer sehr zügig vonstatten, brachten stets ein Ergebnis und wurden immer in einem sehr kollegialen Geist ausgetragen. Das machte die Arbeit wesentlich angenehmer. Allen Beteiligten gebührt dafür ausnahmslos mein sehr herzlicher Dank. Es ist nur der Wahrheit geschuldet, wenn ich hervorhebe, daß gerade in der Startphase die Abstimmungsarbeit mit Herrn Mehring und Herrn Kuhn besonders zeit- und beratungsintensiv war, das ändert aber nichts daran, daß sich alle Vorstandsmitglieder für ihre Arbeit Bestnoten verdient haben. Ich bedanke mich für Ihr Engagement ausdrücklich!

 So darf ich am Ende dieses ersten Jahres zusammenfassend sagen:

Es würde mich freuen, wenn Sie meinem Eindruck zustimmen könnten, daß sich die Kulturstiftung auf dem Pyrmonter Podium so gut präsentiert hat, daß man Ihr Engagement als Stifter, in unserer Arbeit zum Lobe der Musik wirklich wiedererkennen konnte!

 

Ausblick auf die Zukunft

Hier setzen wir vor allem auf die neu „ausgebrochene“ Zusammenarbeit der Staatsoper Hannover mit dem Staatsbad und auch der „arche“-kammermusik. Da ist künstlerisch bereits etwas verab-redet, was es in dieser Stadt bisher so noch nie gegeben hat. Pietro Mascagnis sommerliche Aufführung der „Cavalleria rusticana“ unter den Schloßhof-Schirmen und in der Regie unseres „Schirmherren“ wird von uns gezielt finanziell unterstützt und dürfte die Herzen bald höher schlagen lassen.

Gleichfalls schon fest eingeplant wurde ein Hannoveraner Bläser-Kammerkonzert mit der „arche“. Diese institutionelle Verankerung der Projekte über unsere Stiftung beschert den Verantwortlichen finanzielle Vorteile, verspricht dem Publikum neue künstlerische Anregungen und gibt den Beziehungen zugleich etwas Dauerhaftes. Das wird in Hannover ebenso gesehen.

 

Der Blüthner-Konzertflügel

Schließlich ist noch über den Paukenschlag zu berichten, der uns bekanntlich vor wenigen Tagen nach Leipzig geführt hat. Die umfangreiche Vorgeschichte beginnt schon vor dem II. Weltkrieg in Danzig, wo seinerzeit ein großes Musikhaus existierte, in dem u. a. Klaviere verkauft wurden. Als die Front immer näher kam, flüchtete der Inhaber mit seiner Familie und ergatterte noch Plätze auf der „Wilhelm Gustloff“. Das Schicksal des von den Russen torpedierten Schiffes ist bekannt. Am Ende gehörte der Sohn mit seiner Frau zu den wenigen Überlebenden dieser größten Schiffskatastrophe. Er wohnte später in West-Berlin, wo er eine Drogerie führte. Erholt hat er sich immer sehr gerne in Bad Pyrmont, daß er dann auch als Altersruhesitz wählte. Hier lebte er bescheiden, las im Lesesaal täglich Zeitung, lieh sich in der Stadtbücherei Literatur aus, aber vor allem spekulierte er an der Börse. Als er starb, hatte er es so, halten Sie sich fest, zu ca. zwölf Mio. DM gebracht. Dieses Geld wollte er testamentarisch der „Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ vermachen, ein bei seinem Lebensweg einleuchtender Gedanke.

Doch da las er nach der Wiedervereinigung 1992 in der „Zeit“ einen Artikel über den Julius Blüthner-Pianofortebau, der in Leipzig nun wieder an die Vorkriegsbedeutung dieser großen Marke anschließen wollte. Schon Liszt, Wagner, Tschaikowsky, Debussy, oder Rachmaninow hatten diese Instrumente geschätzt, und unser Mann war ganz entschieden der Meinung, daß sie mit ihrem romantischen Klang ohnehin viel besser wären, als der alles dominierende „stählenere“ Steinway. Deshalb änderte Rudi Reinhold, so hieß er, sein Testament und rief eine Stiftung ins Leben, die er nach seinem Vater Alfred Reinhold benannte. Sie hat satzungsgemäß das Ziel, die klassische Klaviermusik dadurch zu fördern, daß wertvolle Flügel der Firma Blüthner an die Sieger von Klavierwettbewerben als Auszeichnung vergeben werden.

Dies geschieht durch diese Leipziger „Alfred Reinhold-Stiftung“ auch im großen internationalen Rahmen von USA bis Rußland, von Argentinien bis Spanien. Da ich deren Vorsitzenden kenne, habe ich mich für die Kulturstiftung um ein Instrument beworben und darf Ihnen bestätigen, daß dem glücklicherweise schon stattgegeben wurde. Dies ist keineswegs selbstverständlich, Hameln hat z.B. eine Absage bekommen. Rudi Reinhold hat damit über den Tod hinaus die Genugtuung, daß in seinem geliebten Pyrmont bald ein Blühtner erklingt. Dies wird zu meiner großen Freude „der König unter dem Blüthner“ sein, der große Konzertflügel Modell 1 im Wert von ca. 67.000 Euro sein (280 cm). Damit besteht erstmals in Bad Pyrmont die Möglichkeit, besonders auch der Kammermusik ein derartig inspirierendes Instrument zur Verfügung zu stellen. Um den entsprechend adäquaten würdigen Rahmen zu gewährleisten, haben wir vor, mit Herrn Kurdirektor Blome einen Leihvertrag mit dem Staatsbad abzuschließen, damit das Instrument im Kleinen Saal des Konzerthauses aufgestellt und am 3.3.’05 mit dem Virtuosen Henry Sigfridssohn aus Finnland eingeweiht werden kann.

Es läßt sich schon jetzt voraussagen, daß dieser neue „Blüthner“ unser Konzertleben gewiß bald unüberhörbar (wortwörtlich:) „beflügeln“ wird. Damit wird sogar in anderer Form die uralte Pyrmonter Tradition der Konzerte mit dem seinerzeit existierenden Blüthner-Orchester (unter Fritz Busch) wieder aufgenommen. Herr Blüthner-Haessler, den wir eingeladen haben, hat uns zugesichert, daß er die Sieger der international ausgeschriebenen Klavierwettbewerbe (Edinburg, Malmö, Paris, etc.) gerne für eine Auftrittsmöglichkeit zu hervorragenden Konditionen nach Bad Pyrmont vermitteln wird. Damit haben wir dann auch einen direkten Zugang zu internationalen Podien, den wir sonst nicht hätten!

 

Schlußbemerkungen

Bereits am 2.12. werden wir darüber hinaus mit Herrn Matthias Ilkenhans, dem neuen Redakteur der NDR-Radiophilharmonie aus Hannover (Orchester mit 82 Planstellen), hier intensive Gespräche bezüglich einer zukünftigen Zusammenarbeit mit uns bzw. Bad Pyrmont führen, da dieser auf das Wirken der Kulturstiftung aufmerksam geworden ist. Das ist ein weiterer deutlicher Beleg dafür, daß die Stiftung eine ganz neue und fruchtbare Rolle als Katalysator für das klassische Konzertleben übernommen hat.

Die Chancen für das neue Einwerben von Zustiftungen stehen allgemein nicht eben günstig. Die private Bereitschaft zum Spenden ist seit einiger Zeit zurückgegangen, Absagen sind die Regel. Das muß uns zwangsläufig dahin führen, zu versuchen, Gelder auch von anderen Stiftungen zu erhalten. Nur: Auf diese Idee sind unsere Mitbewerber auch schon gekommen. Zudem sind diese Kassen in letzter Zeit sicher nicht voller geworden. Vor Jahren wären die allgemeinen Voraussetzungen noch viel besser gewesen.

Gleichwohl bin ich froh darüber, daß wir jetzt den Anfang gewagt haben. Besser gesagt: Ich bin froh darüber, daß Sie alle diesen Anfang tatkräftig mitgestaltet haben. Dafür sage ich Ihnen auch hier im Stiftungsrat als Ihr Stifterrepräsentant nochmals herzliche Dank. Die Stifterinnen und Stifter sind nun mal das Herzstück dieser Kultureinrichtung. Das ist nach meinem Eindruck draußen noch nicht richtig klar verstanden worden. Dabei wird doch erst mit Ihrem Geld ein materieller Beitrag für eine lebensfähige, dem Gemeinwohl verpflichtete Musikkultur möglich, die eine Perspektive hat, die noch über unsere Lebenszeit hinausweist. Genau das hat hier nun in Bad Pyrmont auf wundervolle Weise begonnen. Sie sind der Bauherr, wir betrachten uns als die Architekten des Stiftungsgedankens, das heißt zugleich: Ohne das Geld von Stiftern und Spen-dern könnten wir nur Baumeister von Luftschlössern sein.

Sie und wir müssen nun weiter nach Wegen suchen, den Kapitalstrom nicht versiegen zu lassen, um unserer Aufgabenstellung verantwortungsvoll gerecht zu werden. Ich möchte Sie nur davor war-nen, davon auszugehen, daß sich die heute vorgelegte wahrhaft fulminante Leistungsbilanz, so ohne weiteres fortschreiben läßt.

Nur eins wird zukünftig auf jeden Fall besser: Sie werden mir nicht mehr so lange zuhören müssen wie heute... (was für mich dann aber glücklicherweise auch weniger Arbeit bedeutet). Doch ich fühlte mich verpflichtet, Ihnen mit diesem Kompakt-Kurs über das vergangene Stiftungsgeschehen erstmals aufzuzeigen, was Sie da in Wahrheit alles angeschoben oder besser: „angestiftet“ haben.

Sie werden deshalb verstehen, daß ich zum Schluß auch ein wenig stolz darauf bin, welch bedeutenden Beitrag zur Hebung des Musiklebens der Stadt, unsere Kulturstiftung damit in ganz kurzer Zeit erbracht hat. Das war nur möglich, weil Sie an uns geglaubt und uns mit entsprechendem Vertrauen ausgestattet haben. Das möge Ihnen Mut machen, um weitere Musik-Stifter aus Ihrem Bekanntenkreis für uns zu gewinnen. Sie brauchen nur zu sagen, daß Sie zuvor kaum eine Investition getätigt haben, die alsbald eine derartig hohe „Rendite“ erbringen konnte... 

Soviel Aussicht auf Positives war und ist selten.