geworden. Diese innovative Idee ist inzwischen in einer Weise von der Öffentlichkeit positiv aufgenommen worden, wie wir es uns alle selbst nicht vorgestellt haben. Der Telemanngarten, den KD Blome, Prof. Dr. Brusniak für die internationale Telemanngesellschaft in Magdeburg und ich am 22. 4. eingeweiht haben, ist in dieser kurzen Zeit in der ganzen Stadt ein Begriff geworden, der schon zu den Pyrmonter Sehenswürdigkeiten zählt. Das Teehaus als Mittelpunkt einer angenehmen Kur-Gastlichkeit wird im neuen Jahr in einem dann noch etwas vergrößerten Telemann-Garten stehen. Der Komponist und Pyrmont sind damit jene dauerhafte Verbindung eingegangen, die wir uns zuvor gewünscht und erhofft hatten. Selten dürfte auch für die Sponsoren ein so nachhaltiger Publizitätsgewinn in so kurzer Zeit zu erzielen gewesen sein. Fast jeder Passant bleibt an unserer Info-Tafel stehen und nimmt die Fakten zur Kenntnis.

Des weiteren ist das Projekt 300 Jahre Musikbad Pyrmont zu nennen. Auch hier hatten wir lange zuvor das Jubiläum zur Sprache gebracht und vor allem mit dem Museumsverein entsprechende Planungen abgestimmt. Der Museumsverein hatte sich bereit erklärt, eine diesbezügliche Ausstellung durchzuführen, die in diesem Sommer gezeigt wurde. Unser 2. Vors. Herr Mehring ist als musikalischer Berater dabei Herrn Dr. Alfter zur Hand gegangen und hat damit praktisch sehr viel dazu beigetragen, das Projekt fachlich einwandfrei bis hin zur Eröffnung im Konzerthaus zu präsentieren. Ich habe bei dieser Gelegenheit ein Grußwort beigesteuert. Diese von uns gestartete Initiative hat das Thema zu Recht in einer ganz neu zu bewertenden Weise positioniert. Es ist erstmals wieder in das Bewußtsein der Pyrmonter Öffentlichkeit gedrungen, welchen einzigartigen Stellenwert die Musik für die Geschichte und den Rang des Bades beansprucht. Das ist unabhängig  von den Besucherzahlen der Ausstellung ein nicht zu unterschätzender Beitrag, den die Kulturstiftung mit ihrem ureigensten Anliegen von der Wertschätzung der Musik für das Pyrmonter Publikum geleistet hat.

Die von Herrn Mehring in Verbindung damit völlig neu geschaffene „Musikbad Pyrmont Promenade“ rundet dieses Anliegen vollendet ab. Das ist ebenso ein Projekt mit Langzeitwirkung wie die von ihm damit im Zusammenhang produzierte CD, die die musikalische Bedeutung Pyrmonts präsentiert und hörbar gemacht hat.

Nach diesen herausgehobenen Ereignissen vollzog sich natürlich das „normale“ Geschäft der Stiftung in der gewohnten Weise. Satzungsgemäß flossen an die Berechtigten 5400,- Euro. Das waren:

a)    Staatsbad: für die „Sternstunden der Oper“, das Konzert mit Chor und Orchester der Nds.     Staatsoper;
b)    Musikschule: die damit das Projekt „Pyrmont komponiert“ unterstützte;
c)    Pyrmonter Orgeltage: mit dem Konzert des Dresdner Organisten (Hofkirche) Hans-Jörg Scholze;
d)    „arche“ Kammermusik: mit dem Gambenkonzert der Telemann-Preisträger.

Darüber hinaus wurden gesponsert: Das Konzert 20 Jahre „Cantus“ mit 500.- und der Vortrag von Herrn H-J. Franzius (Gauting) im Museumsvereins über den Dirigenten Fritz Busch mit 300,-.

Ich habe die Stiftung bei diversen Gelegenheiten nach außen vertreten. Dabei fielen beim Geburtstag von Frau Britzke 340,- Euro und beim Konzert von Familie Pawassar 1.599,- Euro für die Orgel im Konzerthaus an. Als ausdrücklich eingeladener Vorsitzender der Kulturstiftung habe ich bei der Tagung des Landesverbandes der Niedersächsischen Musikschulen ein Grußwort gesprochen.

Ich habe überdies die mir eingeräumte Möglichkeit, eine eigene Kolumne im „Treffpunkt“ zu plazieren, genutzt und im April und Juli den Telemanngarten bzw. das Teehaus und im September die Konzerthausorgel zum Thema gemacht. Das Presseorgan hat eine Auflage von 65oo Exemplaren. (Ab Dezember habe ich aufgehört.)

Dankbar bin ich auch Herrn Rainer Schönbach dafür, daß er seinen Historischen Postkartenkalender 2007 mit allen Konzertterminen in Druck gegeben hat. Er hat mir versprochen, daß er diese Praxis in den Folgejahren beibehalten wird. Das ist ein kleiner, aber feiner Service der Kulturstiftung, der auch sehr gut ankommt. (4,90 €)

Ich konnte den Flyer MPK, den ich konzipiert und typographiert habe, kostenlos vom BfW produzieren lassen. Damit verfügen wir nun auch über eine vernünftige Außendarstellung.

Das ist im Internet noch nicht der Fall. Nachdem ich mit einem angeblichen Fachmann einig geworden war, verzog der aus Pyrmont und hinterließ nur ein Chaos. Inzwischen habe ich, hoffe ich, mit Andreas von Zitzewitz einen Bearbeiter gewonnen, der dankenswerterweise bereit ist, unentgeltlich für uns zu arbeiten. Die Weichen dafür habe ich gerade erst gestellt.

Bewußt an den Schluß gestellt habe ich damit den Höhepunkt des Jahres 2006, nämlich die Restaurierung der Konzerthausorgel. Niedersachsens einzige derartige Orgel wird durch die Wiederinbetriebnahme einen einzigartigen Rang in der Konzertlandschaft ganz Norddeutschlands gewinnen. Ich sehe mich mit meinem nachhaltigen Insistieren darauf, die Restaurierung zum Satzungszweck der Stiftung zu erheben, glücklich bestätigt. Aber das wäre natürlich nur Theorie, wenn wir nicht in meinem Vorstand einen Mann gehabt hätten, der sich diese Vision nicht ebenfalls zu eigen gemacht hätte. Klaus-Henning Demuth (der in der Tagesordnung noch einen eigenen Punkt beansprucht), hat bei der VGH, die dann 7500,- Euro gestiftet hat, und bei der Nds. Sparkassenstiftung für dieses Projekt eine Stiftungsbereitschaft erwirkt, die dazu geführt hat, daß mir am 10. Mai 37.500,- Euro übergeben wurden. Zusammen mit den 5000,- Euro von der Stadt B. P. und den 10.000,- Euro des Staatsbades, den 15.000,- Euro unserer Stiftung, ergab sich somit ein Volumen, das dieses Vorhaben zur Vollendung bringt. Damit gelingt es der Kulturstiftung, im dritten Jahr ihres Bestehens, ein zentrales, musikpolitisches Anliegen erstmals seit ca. 50 Jahren zu verwirklichen. Wenn ich auch noch an den durch uns ein Jahr zuvor verwirklichten Blüthner-Konzertflügel erinnern darf, dann haben wir damit Bad Pyrmont instrumental in   einer Weise „ausgestattet“, daß das Bad für die anspruchsvollsten Aufgaben, die sich im Konzertleben stellen, entsprechend gerüstet ist. Das erfüllt mich mit großer Freude und Stolz.

Herr Kluge hat die Arbeiten in Abstimmung mit dem Orgelbauer fachlich begleitet, Herr Kuhn finanziell betreut. Im Oktober haben wir die Vorfreude noch etwas steigern können, indem wir eine Busfahrt zur Werkstatt Steilmann in Vlotho organisiert haben. Dabei gewannen wir ganz faszinierende Einblicke in das komplizierte Innenleben unseres Instruments, das nun an seinen angestammten Platz zurückkehrt.

Ich möchte Sie auch davon in Kenntnis setzen, daß Herr Kluge und ich unabhängig voneinander umfangreiche Anstrengungen unternommen haben, um über den Erbauer der Orgel, die Firma Fabritius in Düsseldorf-Kaiserswerth, genauere Informationen zu erhalten. Die 1740 gegründete Werkstatt gehörte im 20. Jahrhundert zu den größten Betrieben Deutschlands. Wenn ich Ihnen erzählen würde, auf welch verschlungenen Pfaden ich z.B. versucht habe, Enkel und Enkelin des Meisters Josef Fabritius, der unser Instrument erbaut hat, ausfindig zu machen, würden Sie sehr erstaunt sein. Gefunden habe ich sie, aber noch nimmt niemand das Telefon ab, die Nachricht auf dem Anrufbeantworter geht leider permanent ins Leere.

Alle geschilderten Stiftungs-Aktivitäten wurden von den Medien aufmerksam beobachtet. Unsere Arbeit wird in der Pyrmonter Kultur-Szene durchaus hellhörig wahrgenommen. Dazu kommt, daß alle Vorstandsmitglieder auf ihren angestammten Feldern eine vielfache öffentliche Wirkung entfaltet haben. Ich möchte mich aber bei ihnen vor allem für ihre nach innen und außen geleistete Arbeit für die Kulturstiftung sehr herzlich bedanken. Erfreulich, daß auch unser Schirmherr, also Hannovers neuer Intendant Dr. Michael Klügl, unserem Konzertleben mit seinem Haus verbunden bleiben wird. Oder nehmen Sie die von uns geförderte „Pyrmont komponiert“-Initiative der Musikschule, bei deren Vorstellung ich für die Stiftung zugegen war, die deshalb so wichtig ist, weil sie Grundlagen dafür schafft, unsere lokale musikalische Tradition künstlerisch in die Zukunft zu erweitern.

Auf die Frage, ob die neue E-Musik elitär sei, antwortete der zeitgenössische Komponist Wolfgang Rihm: „Vielleicht ist es das große Mißverständnis, daß immer geglaubt wird, der Hervorbringung von Kunst läge eine primäre Absicht zugrunde. Es ist wie atmen, unwillkürlich und lebensnotwendig. Am Anfang ist es die spielerische Bewegung. Es ist die verknüpfende Energie und die kombinatorische Phantasie.“

Das ist es, was ich ganz allgemein auch für diese Kulturstiftung er-strebe und wofür ich mich einsetze: Die verknüpfende Energie und die kombinatorische Phantasie mit der wir unser heimisches Musikleben auffrischen wollen! Wenn wir fortgesetzt nach beidem trachten, dürfen wir auch darauf hoffen, damit die Ohren und Herzen des Publikums für das Wunder der Musik weit zu öffnen.

Leicht ist das gewiß nicht, denn wir verfügen in unserem Land nicht über eine gewachsene Sponsorenkultur, die das befördert. Geist und Geld sind hierzulande meist leider nur ein flüchtiges Verhältnis eingegangen. Kunst, Kommerz und Kommune grüßen sich nur von Ferne, kaum reicht mal einer die Hand, vielleicht nur um höchstens eine Freikarte entgegenzunehmen... Rat und Tat fallen daher meist nicht zusammen. Um so dankbarer bin ich dafür, daß ich Sie als vorbildliche Ausnahmen hier heute mit meinem Rechenschaftsbericht 2006 begrüßen durfte und danke Ihnen für Ihr nachhaltiges und engagiertes musische Interesse sehr herzlich.