Nach der Gründung im Dezember 2003 haben die folgenden Jahre 2004-06 mit dem neuen Blüthner-Flügel und dem Telemann-Garten schon dauerhaft hör- und sichtbare Spuren in Pyrmont hinterlassen. In diesem Jahr ist nun unser langfristig angestrebtes     Satzungs-Ziel, die Konzerthausorgel wieder spielbar zu machen, schon kurzfristig realisiert worden. Und das bei einem Finanzbedarf, der für den Orgelbauer Gustav Steinmann (Vlotho) fast 90.000,- Euro erforderte. Nachdem an dieser Stelle 45 Jahre lang nichts geschehen war, möchte ich doch meine Genugtuung über diesen großen Erfolg nochmals freudig zum Ausdruck bringen!  

Bei der Einweihung am 4. März bin ich darauf ausführlich eingegangen und habe die großherzigen Geldgeber gewürdigt, ohne die das ehrgeizige Projekt nicht zu verwirklichen gewesen wäre: Stadtsparkasse, Nds. Sparkassenstiftung, VGH-Stiftung, Staatsbad, Stadt, Kulturstiftung und private Sponsoren. Nur: Bis auf unsere Stiftung standen alle anderen Mitspieler schon lange auf dem Platz, bevor wir sie zu einem gemeinsamen Match verabredet haben. Und Matchwinner sind nun die Pyrmonter Konzertfreunde! Wir haben uns also als „ehrlicher Makler“ initiativ eingebracht. Das war in der Tat neu und hat dieses Wunder erst ermöglicht.  

Oliver Kluge hat neben der Eröffnung noch zwei Konzerte mit dem Instrument bestritten, eins allein, dessen Einnahmen er dankenswerterweise ganz unserer Stiftung widmete, und eins zusammen mit Arndt Jubal Mehring an der Flöte. Das herausragende Moment ist dabei jeweils gewesen, daß wir Orgelliteratur zu hören bekamen, die mit einer Kirchenorgel nicht adäquat realisierbar gewesen wäre. Das genau macht ja die Qualität der Konzertsaalorgel aus. Die hörbar gewordene Disposition des Instrumentes verspricht uns gewiß weitere spannende Entdeckungen. Das Publikum wird hier noch manche glückliche Überraschung erleben.  

Die Chronistenpflicht gebietet es, daß ich auch zwei Konzerte  erwähne, bei denen ich selbst als Sprecher auftreten durfte. Einmal war das der Fall beim erstmaligen Auftritt des Steinway und unseres neuen Blüthner-Flügels auf der Bühne des Konzerthauses im Sinfoniekonzert mit „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns und zum anderen im Kurtheater, wo ich der historischen „Pyrmonter Brunnenmusik“ das Text-Konzept für einen „Pyrmonter Tag   Anno Dazumal“ geliefert und gesprochen habe. Dieses Konzert ist aufgrund der von unserer Stiftung zuvor schon geknüpften Kontakte (nämlich u. a. zur Telemann-Gesellschaft) vom „Deutschland-radio Kultur“ im Oktober auch bundesweit vermarktet und um 20.03 Uhr zur Hauptsendezeit ausgestrahlt worden. Sicherlich eine schöne Folge unserer zuvor geleisteten Stiftungsarbeit. Und sie hat noch ein weiteres „Nachspiel“: Ich kann Ihnen ganz aktuell mitteilen, daß dieses Konzert mit Lesung soeben Eingang in das Programm 2008 der Bad Arolser Barock-Festspiele gefunden hat. Damit wird im Rahmen dieses Festivals erstmals an die geschichtliche Verbindung zwischen Arolsen und Pyrmont musikalisch erinnert.

Zuschüsse der Kulturstiftung sind in diesem Jahr geflossen

in das großartige Joja-Wendt-Konzert des Staatsbades, 
in das „arche“-Konzert mit den Mitgliedern des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover (u. a. mit „Forellenquintett“),
in das Projekt „Grundschul-Klassen musizieren“ der Musikschule, die dafür Instrumente angeschafft hat
und in das Konzert, das Prof. Cornelius Schneider-Pungs im Rahmen der Pyrmonter Orgeltage in der Stadtkirche gegeben hat. Sie werden zugeben, alles sehr hörenswerte Bereicherungen.  

Wenn es in Bad Pyrmont etwas gibt, auf das wir uns überregional berufen dürfen, dann gehört unsere gewachsene Musik-Kultur unbedingt dazu. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, diese besondere Qualität des Bades verstärkt in das öffentliche Bewußtsein zu rücken. Das „Musikland Niedersachsen“, das zukünftig stärker vermarktet werden soll, kann auf den Beitrag, den Bad Pyrmont dazu schon beisteuert, wohl kaum verzichten.  

In diesem Zusammenhang muß ich leider das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur kritisieren. In einem 2006 von ihm herausgegebenen Verzeichnis aller Kulturstiftungen des Landes hat man uns nicht einmal erwähnt, obwohl wir seit 2004 die staatliche Anerkennung genießen! Minister Lutz Stratmann war anläßlich des Großen Stiftungskonzertes mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover im September 2004 sogar persönlich im Konzerthaus und überbrachte uns die Grüße der Landesregierung. Ich habe mich bei ihm direkt danach dafür öffentlich, ausführlich und humorvoll bedankt. Der Minister stellt nun in dieser Broschüre die Qualität der neuen niedersächsische Stiftungsdatenbank heraus und will für mehr Transparenz im Stifterland Niedersachsen sorgen. Ich weiß nicht, wieviel Transparenz benötigt wird, bis wir denn auch vom Ministerium wahrgenommen werden. Ich finde dieses grobe Versehen naturgemäß gar nicht mehr so lustig, und sein jüngster Besuch in dieser Stadt kam auch ganz ohne eine dementsprechende Nachfrage nach der von ihm seinerzeit doch begrüßten Kulturstiftung aus, an die man ihn von Pyrmonter Seite ja auch nicht erinnert hat. Beide Umstände sind aber nach der Berichterstattung Spendern aufgefallen, die bei mir nachgefragt haben; ich werde dazu also Stellung nehmen. (z. B.: „Orgel mit Schleife“)  

Daß dies so geschehen konnte, mag auch mit Versäumnissen zusammenhängen, die vor Ort gemacht wurden. Die Ausstellung „300 Jahre Musikbad Pyrmont“ sollte es 2006 sehr deutlich machen: Unser Bad hat in Niedersachsen eine ganz außergewöhnliche musikalische Tradition. Dieses sehr herausragende Jubiläum hätte mindestens landesweit nachhaltig transportiert werden müssen. Aber entgegen unserer Vorstellung ist vom Veranstalter zu der Eröffnung keine Prominenz im Ministerrang eingeladen worden. Die Ausstellung hätte natürlich sogar den Ministerpräsidenten selbst verdient gehabt, der in seiner Regierungserklärung 2003 ja eine umfassende Initiative zum Musikland Niedersachsen zu seinem dringenden Anliegen gemacht hatte. Mehr noch: In Kenntnis dessen, was diese Ausstellung aufgrund der Mitarbeit von Herrn Mehring inhaltlich zutage förderte, würden Formulierungen der Landesregierung zur Musikgeschichte Niedersachsens im Internet zwingend anders und zu unseren Gunsten ausfallen müssen.  

Aber wenn man sich hier nicht selbst darüber im klaren war und ist, daß man über einen außergewöhnlichen Schatz verfügt, wenn die Vermarktung der Ausstellung nicht einmal so weit reichte, daß auch nur ein Vertreter des Kreises zur Eröffnung erschien, daß man also den Stolz auf den Stellenwert der Musik nicht angemessen vorzeigte bzw. erkannte – dann muß man sich nicht wundern, wenn z. B. in den Verlautbarungen des Landesmusikrates Bad Pyrmont nicht einmal mehr vorkommt. Wenn z. B. von Norddeutscher Orgelmusik in Niedersachsen die Rede ist, und die einzige Konzerthausorgel des Landes wird gar nicht erwähnt.  

Lutz Stratmann ist oberster Dienstherr der Staatsoper Hannover, deren Intendant wiederum als Schirmherr in meinem Vorstand   verankert ist. Der Minister hat beim Stiftungskonzert auch applaudiert, als ich leidenschaftlich und unter großem Beifall des Saales zur Restaurierung der Orgel aufrief. Wenn er jetzt wieder unsere Stadt besucht, dann hätte man ihm doch wohl Gelegenheit geben müssen, das immerhin im Landeseigentum befindliche fertige Werk zur Kenntnis zu nehmen, für dessen Wiederherstellung andere gespendet und das Land keinen Cent aufbringen mußte. Wie oft kommt eine derartige Praxis eigentlich sonst in seinem Ressort vor? Bestimmt hätte er sich dafür sogar gerne bedankt: „Großartig, daß Sie das hier alles schon ohne uns mit bürgerschaftlichem Engagement unverzagt geschafft haben!“ Und er hätte damit noch einen guten Grund mehr gehabt, Fördergelder in die Stadt zu geben, wo zuvor schon freiwillig zu Gunsten des Landes gefördert wurde!  

Auch muß die Landeshauptstadt noch immer das schmerzlich entbehren, was man hier schon hat! Frau Staatssekretärin Hermenau äußerte sich mir gegenüber begeistert über die außergewöhnlich gute Pyrmonter Konzertsaal-Situation. Warum präsentiert man das Instrument also nicht selbstbewußt dem zuständigen Fachminister? Man stellt ihm aber gleichwohl ein neues, nicht beschlossenes Museums-Konzept vor, in dem z. B. das Musikbad gänzlich fehlt (120 S. ohne „Musik“). So verwundert es, daß man jetzt die Wiege schon öffentlich schaukelte, bevor das Baby überhaupt geboren wurde. Wenn man die Besucherzahl des Museums mit der von Musik- oder auch Theaterveranstaltungen vergleicht, dann kann das 19jährige Museum die jahrhundertealte Unterhaltungskultur des Bades nicht einfach ausblenden. Ich will gar nicht davon reden, daß auch der bedeutende Kurpark viel zu kurz kommt.   

Ich bin in einer schwierigen Lage. Ich habe einerseits die Pyrmonter Musikliebhaber so zu enthusiasmieren, daß sie die Kulturstiftung tatkräftig unterstützen, auf Deutsch: daß sie sich also von ihrem Geld trennen – das ist schon schwer genug. Andererseits aber sehe ich mich damit konfrontiert, daß die tatsächliche musikalische Kultur der Stadt, gottseidank vom Staatsbad engagiert und nachhaltig gefördert, noch nicht von allen „Mitspielern“ (sprich: den Entscheidungsträgern!) ausreichend wahrgenommen wird. Bevor Niedersachsen als Land der Musik erlebt werden kann, wie sich das Ministerpräsident Wulff wünscht, erwarte ich zunächst von den örtlichen politischen Repräsentanten und von uns allen, daß das Musikbad Pyrmont in einem größerem Ausmaß als bisher ernst und zur Kenntnis genommen wird. Wenn wir selbst davon klein denken, warum sollen dann eigentlich andere davon groß denken??  

Auch die Dewezet (nicht PN!) brachte es fertig, über das Thema „Musikland Niedersachsen“ im Oktober ausführlich zu reden, ohne daß der Name Bad Pyrmonts dabei auftauchte. In Niedersachsen gäbe es keinen vernünftigen Konzertsaal. Hier erzählen alle Gastdirigenten, eine so gute Akustik wie in Bad Pyrmont würde man weit und breit nicht finden. Sehr weit kann man von Hameln wohl nicht gucken oder hören. Ich bin aber ganz entschieden der Meinung, daß unser Bad das Potential hat, bei dieser Thematik eine Meinungsführerschaft zu beanspruchen. Wie man auch an der Berichterstattung immer mal wieder sehen kann, fällt es der Kreisstadt aus lokaler Eifersucht nicht leicht, sich damit zu arrangieren. Umgekehrt gilt: Stehen Pyrmonter Ereignisse doch endlich mal auf der Kulturseite, werden sie meist von den Lesern der PN übersehen!  

Wenn ich hier erstmals Kritik pointiert vorbringen mußte, dann deshalb, weil es Ihr Stifter- und das allgemeine Publikums-Interesse beanspruchte und weil die Sache es einfach verlangt. Das kann man, musikalisch gesprochen, „con sordino“, also „mit Dämpfer“, nicht mehr richtig vortragen. Ich vertraue aber auf Einsicht und Besserung und weiter auf Ihren verständnisvollen Zuspruch. Meine Kulturstiftung wird tatkräftig das ihr Mögliche tun, um unser Musikbad zu stärken. Bitte helfen Sie uns dabei. Bleiben Sie an unserer Seite, meine Damen und Herren. Denn wir brauchen Ihren Beistand.

Das Wort „Beistand“ möchte ich zum Schluß aber auch aufgreifen, um es dankbar gegenüber meinen Vorstandsmitgliedern auszusprechen. Ich habe ein beeindruckendes Ensemble, mit dem sich schon gut aufspielen läßt. Das ist z. T. wörtlich gemeint: Bedenken Sie, daß sogar der halbe Vorstand, die Herren Mehring, Kluge und ich, aktiv an den Veranstaltungen mitgewirkt haben! Und das wird auch im nächsten Jahr wieder so sein. Eine ähnlich ausgestattete Stiftung werden Sie so leicht nicht finden. Und die andere Hälfte mit Frau Bürgermeisterin Roeder, Frau Schauer und Herrn Kuhn, hilft ja an den entscheidenden Schaltstellen auch aktiv mit, unser Musikleben zu Gehör zu bringen. Es kommt nun ganz auf Sie an, das Bad Pyrmonter Angebot von über 50 Musik-Veranstaltungen im Jahr 2008 anzunehmen und auch die Kulturstiftung weiter tatkräftig „nachzählbar“ zu fördern. Das können Sie mit unterschiedlichem Nachdruck tun: Nämlich mit unseren neu geschaffenen Förderkreisen Adagio – Andante – Allegro. Doch dazu nachher noch mehr.

Ich danke Ihnen jetzt schon Presto, will sagen: sehr herzlich!