daß wir nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der „arche“-kammermusik, Herrn Frank Buß auch als neues Mitglied in unserem Vorstand begrüßt haben. Frau Dr. Meermann und ich als wirklich gewählte Mitglieder werden also mit den satzungsgemäß „geborenen“ Vorstands-Vertretern der Institutionen Staatsbad, Musikschule, „arche“ und Stadt Bad Pyrmont mindestens noch bis zu den am Ende dieses Jahres anstehenden Vorstandswahlen in dieser personellen Formation kooperieren. Über die bis-herige Zusammenarbeit ist nur zu sagen, daß sie sehr erfreulich war.

 Durch den Wegzug Oliver Kluges sind auch die von ihm geschaffenen Pyrmonter Orgeltage eingestellt worden. Einvernehmlich haben wir sie deshalb als Gegenstand der Förderung aus unserer Satzung gestrichen. Stattdessen werden künftig Konzerte mit der Konzerthausorgel gefördert, damit das restaurierte Instrument im Konzertbetrieb seinen ihm zustehenden Platz erhält. In diesem Jahr sind bereits zwei Konzerte mit Herrn Kluge fest eingeplant: In wenigen Tagen, am 11. Februar, mit einem großem Orgel-Programm undzusammen mit mir als Rezitator am 1. September „Die vier Jahreszeiten“, ganz ohne Vivaldi, musikalisch und poetisch interpretiert.

Es wurde einvernehmlich beschlossen, die folgenden Projekte zu fördern: Bei der Musikschule die musikalische Früherziehung für Vorschulkinder und Instrumente für das Klassenmusizieren (Streichertag).

Das 2. Sinfoniekonzert des Staatsbades und von der „arche“ der Schumann-Abend vom 7. 11. (Klaus Langer & Stefan Irmer) mit Lesung.

Ebenfalls: Antrag der Stadtkirchengemeinde für Konzert 20. 6. 2011.

Das 2007 in Kraft getretene verbesserte Stiftungsrecht hat inzwischen dafür gesorgt, daß im Durchschnitt an jedem Tag in Deutschland drei Stiftungen gegründet werden. Zusammengenommen verwalten die Stiftungen aller Rechtsformen mittlerweile ein Vermögen von 100 Milliarden Euro. Sie unterstützen jährlich das Gemeinwohl mit etwa 30 Milliarden Euro. Etwa ein Drittel besitzt ein Vermögen bis 100.000 Euro, nur ein Viertel über eine Mio. Euro.

 Auf dem Spitzenplatz der Großstädte mit der höchsten Stiftungsdichte liegt Würzburg. Auf je 100.000 Einwohner entfallen hier 76 Stiftungen. Auf dem zweiten Platz liegt Frankfurt vor Hamburg, Oldenburg und München; Hannover hält Platz zehn.

Ich habe mir mal das Vergnügen gemacht, die Stiftungsdichte Bad Pyrmonts zu berechnen. Bei einer Einwohnerzahl von 21.220 bestehen hier nach meiner Kenntnis zwölf Stiftungen, was zu einer Dichte von 56,5 und damit zu einem mit München vergleichbaren Ranking führt. Wir liegen damit weit über der deutschen Durchschnittsdichte von 19 Stiftungen auf 100.000 Einwohner (Berlin 20,0). Auch wenn man sich klar macht, daß Groß- und Kleinstadt natürlich nicht ohne weiteres vergleichbar sind, ist diese Spitzenposition unserer Stadt schon bemerkenswert und bislang im öffentlichen Bewußtsein genauso wenig präsent, wie die Tatsache, daß das Stiftungswesen in der Grafschaft Pyrmont schon mit dem Grafen Heinrich von Pyrmont im Jahre 1402 hervorgetreten ist. Seine damalige Zuwendung, verbunden mit einer Zustiftung von 1715 ist die Quelle, aus der sensationellerweise noch heute 2000,- Euro monatlich für eine Vikar-Stelle in Lügde fließen! So sieht krisensicheres Investment und eine handfeste Rendite aus! Damit möchte ich all’ jenen unter Ihnen, die auch zum „Anstifter“ einer mitverantwortlichen, freiheitlichen, vitalen Bürger-Kultur werden wollen, einen zielführenden Fingerzeig geben.

Wir haben uns in diesem Jahr natürlich besonders über Spenden gefreut, die eine Antwort waren, auf die von mir vor einem Jahr gestellte Frage: „Was ist uns die Neunte wert?“ Es geht ja darum, einen ganz besonderen Höhepunkt im Veranstaltungskalender unserer Stadt zu inszenieren und damit auch einen anspruchsvollen, inspirierenden Akzent zu setzen. Bevor, sagte ich damals, der Chor „Seid umschlungen Millionen“ intoniere, müßten nämlich erst einmal Tausende investiert werden. Und die gelte es zu sammeln, denn wir brauchten wegen der Verträge frühzeitige, verläßliche Planungssicherheit!

Ich bin also mit dem Hut in der Hand auch selbst unterwegs gewesen und habe Gehör gefunden, insbesondere beim Landschaftsverband mit einem (avisierten) deutlichen Bekenntnis zu diesem Projekt. Einige privat angesprochene Spender und auch die Stadtsparkasse, die 50 Musikschülern den Eintritt finanziert, verbunden mit unseren eigenen Mitteln, versetzen mich in die Lage, Ihnen heute zu sagen, das Projekt ist im Kern so gesichert, daß es stattfinden wird! Nachdem zuerst vor 84 Jahren zur Einweihung des Konzerthauses und zuletzt vor 22 Jahren, dort abermals „dieser Kuß der ganzen Welt“ auf den Mund gedrückt wurde, dürfen Sie sich also auf eine Fortsetzung dieser Liebesgeschichte freuen! Ich kann verkünden: Die Neunte wird Wirklichkeit.

Das erfüllt mich mit ganz großer Freude und alle übrigen Vorgänge treten dahinter zurück! (Z. B. daß es bei der diesjährigen 2. Pyrmonter Klavierwoche erneut zu zwei Begegnungen mit Henri Sigfridssohn am Blüthner kommt.) Aber es bedeutet auch durchaus nicht, daß unser Konto nicht hungrig genug wäre, Ihre diesbezüglichen weiteren Wohltaten für die Neunte zu verdauen. Denn, wie schon meine Tante immer sagte, die sog. Dreh- und Nähseide eines Projektes verschlingt oftmals ungeahnte Nebenkosten, die sich nicht von selbst finanzieren.

Ich will Ihnen hier die verschlungenen Pfade ersparen, die als Irrwege dieser Lösung im Wege standen. Über Böhmen, Prag und Freiburg sind wir schließlich bei unserem Hausorchester angekommen: Dem Göttinger Symphonie Orchester. Zusammen mit der Jacobi-Kantorei Göttingen wird der Chor der Pyrmonter Stadtkirchengemeinde das Werk mit hervorragenden Solisten aufführen. Durch die komplizierte Koordination aller Beteiligten ergab sich unausweichlich die Situation, daß der ins Auge gefaßte Termin in diesem November nicht zu realisieren war und es deshalb endgültig zur Aufführung am So., 11. März 2012 kommt. Insoweit muß ich Sie um Verständnis für das Verlängern Ihrer Vorfreude auf dieses besondere Konzert bitten.

Doch das ist ja heute geradezu skandalös: Musik hat allgegenwärtig zu sein! Allerseits sind wir von einer klingenden Klangtapete umgeben. Denn Musik ist nahezu überall präsent. Und auch die Neunte ist es. Aber gerade die Tatsache, daß Interpreten und Publikum zu einer bestimmten Stunde hautnah das Erlebnis der Komposition teilen, macht erst die Magie des Musikhörens aus. Daß man diese Stunde auch mit Geld nicht herbeizwingen kann, ist vielleicht auch eine notwendige Erfahrung, die wir schon fast vergessen und jetzt neu zu lernen haben.

Nochmals: Dirigent, Orchester, zwei Chöre und vier Solisten um vier Monate weiter verschieben zu müssen, erschien mir angesichts der Überwindung der bisher haushohen Hürden nicht mehr das Hauptproblem zu sein. Vollends zweitrangig wird das auch noch dadurch, wenn man sich in Erinnerung ruft, daß Beethoven ja selbst mehr als 12 Jahre an dem Werk gearbeitet hat, und wie Joachim Kaiser (SZ) vor kurzem öffentlich sagte, als tauber, todunglücklicher, finanziell gar nicht in guten Händen lebender unseliger Mensch dennoch die übermenschliche Kraft aufbrachte, Schillers Ode an die Freude zu vertonen.

Es ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer glücklichen Regie, wenn wir aus dem Mund von Frau Prof. Schuchardt zu dieser elementaren Lebenskrise des Künstlers und seiner exemplarischen Meisterung gleich ganz neue Gedanken hören werden. Doch lassen Sie mich zuvor diesen Tagesordnungspunkt dadurch beschließen, indem ich mich herzlich dafür bedanke, daß Sie mir so aufmerksam zugehört haben.