Im Bereich des Staatsbades: das 2. Sinfoniekonzert mit dem Pianisten Henri Sigfridssohn als Solisten,

im Bereich der Arche: das Trio-Konzert für Flöte, Fagott und Harfe,

und im Bereich der Musikschule wurde die musikalische Früherziehung für alle Vorschulkinder gefördert und dazu Anschaffungen für die Abteilung für Tanz und Bewegung getätigt.

 

Ferner wurde von uns als Beitrag zum unumgänglichen Inflationsausgleich unser Stiftungsvermögen um ca. 3000,- Euro aufgestockt.

 

Von besonderer Bedeutung war das Treffen mit der Nds. Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, das im Konzerthaus mit der musikalischen Vorstellung der von uns restaurierten,

 

 im Landesbesitz befindlichen Konzerthausorgel verbunden war. Wir haben dabei insbesondere ein mögliches Gastspiel des Niedersächsischen Staatsorchesters zum zehnjährigen Bestehen unserer Kulturstiftung im Jahre 2013 besprochen. Ein entsprechendes Treffen mit Herrn Dr. Klügl hat inzwischen stattgefunden und gibt uns Hoffnung, ein derartiges wünschenswertes Projekt ins Auge zu fassen.

 

Bereits für dieses Jahr wurde beschlossen, ein besonderes Konzert zum 60-jährigen Bestehen der arche zu unterstützen. Mit unserer Förderung wird auch Kreiskantor O. Kluge aus Hannover am 13. 10. mit der großen Sinfonie Nr. 40 g-Moll und dem ergreifenden Requiem einen grandiosen Mozart Abend mit über 100 Mitwirkenden gestalten, den ich mit der Lesung von lokal bezogenen Texten ergänzen werde.

 

D. h. unsere Kulturstiftung hat es tatsächlich ermöglicht, daß in diesem Jahr mit Beethovens Neunter und den letzten, den zentralen Werken Mozarts, die Fixsterne der Wiener Klassik am Himmel des Pyrmonter Konzertlebens aufleuchten! Und da leuchten auch meine und hoffentlich auch Ihre Augen auf! - Diese glanzvolle Reihe würden wir natürlich gerne mit einem großen Jubiläumskonzert 2013 fortsetzen.

 

Die Neunte wurde in Pyrmont ja schon zum Tagesgespräch, weil sie bereits sechs Wochen vor der Aufführung ausverkauft war. Unter dem Druck der Kartenwünsche hat das Staatsbad sogar zusätzlich den kleinen Saal geöffnet, um dem Publikumsinteresse Rechnung zu tragen. Allen Spendern und Sponsoren, egal ob sie große oder kleine und kleinste Beträge gegeben haben, spreche ich meinen allerherzlichsten Dank aus. Sie haben damit einen großen Beitrag zur Erhaltung unserer einzigartigen Musikkultur geleistet.

 

Sie werden verstehen, daß ich über dieses Happy end unserer seit über drei Jahren laufenden Bemühungen sehr glücklich bin. Schließlich ist es ja auch gelungen, meine von Anfang an favorisierte Fassung zu verwirklichen, nämlich die unter Einbeziehung des Chores der Stadtkirchengemeinde. Ich empfehle Ihnen auch schon jetzt, sich das große 12seitige Programmheft mit Reproduktionen der entsprechenden Pyrmonter Programm-Broschüre des Konzerts von 1928 zu kaufen.

 

Damit gehen von dieser Aufführung all’ die positiven Signale aus, die ich mir immer davon erhofft habe. Unbemerkt von der Aufmerksamkeit des Publikums haben wir an diesem Finale lange emsig gearbeitet und gefeilt. Und oft ereilte uns dabei auch das Wort von Friedrich Dürrenmatt: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall.“ Ich habe mich indessen stets auf die Tatkraft meines Vorstands stützen dürfen, dem ich hiermit mein herzliches Dankeschön öffentlich aussprechen möchte. Vielen Dank!

 

Nachhaltigkeit ist all diesen Initiativen allerdings nur dann beschieden, wenn sie nicht nur der Ausdruck einer vordergründigen Event-Kultur sind. Der Nestor der Frankfurter Schule, der Philosoph Theodor W. Adorno hat in den sechziger Jahren im Rundfunk einmal ganz böse reagiert, als er das Hören von schönen Stellen der Musik als das unangemessene Verhalten von Dilettanten attackierte. Sie würden aus großen Sätzen von komplexer Architektur nur einige Melodien herausklauben und, anstatt deren Impuls zu folgen und weiterzugehen, infantil nach ihrer starren Wiederholung verlangen". Ganz abgesehen davon, daß die größten Komponisten stets danach strebten, daß es ihnen überhaupt gelingen möge, schöne Stellen zu komponieren, hat inzwischen dieses Verhaltensmuster, diese Häppchen-Kultur, bereits ganz breiten Raum im Rundfunk eingenommen. Man denke nur an Klassik-Radio oder auch NDR 3, wo ein ganzes Werk immer seltener zu Gehör gebracht wird, statt dessen nur einzelne Sätze.

  

Das alles hängt natürlich ganz viel mit der musikalischen Bildung zusammen. Und damit kommt unser heutiges Thema in den Blickpunkt. Musikschulen erleben zur Zeit in Deutschland einen regelrechten Ansturm. Die Wartelisten sind lang, und neben den Kindern wollen auch immer mehr Erwachsene ein Instrument lernen. Während andere Schulformen erleben, wie ihnen die Schüler ausgehen, wächst die Zahl der Musikschüler. Zwischen 2005 und 2010 nahm sie an öffentlichen Musikschulen um rund 90.000 zu. Ich freue mich darüber, daß Herr Mehring diesen Prozeß vor Ort aktiv mitgestaltet hat. Mittler-weile besucht eine knappe Million großer und kleiner Bürger diese Einrichtungen. Dazu kommen noch die rund 80.000 Schüler der 260 privaten Musikschulen. Die Zahl der knapp gewordenen Musiklehrer liegt bei nur 37.000.

 

Interessant ist, daß sich die Zahl der über 60-Jährigen an öffentlichen Musikschulen innerhalb von zehn Jahren auf rund 12.500 verdoppelt hat. Musizieren ist also ein breiter Trend, obwohl an den allgemein bildenden Schulen immer weniger Musikunterricht stattfindet. In den Haupt- und Realschulen fallen über 60 % des Musikunterrichts aus, in den Gymnasien sind es über 30 %. Die Musikschulen können und sollen mit ihren Angeboten diese Lücke nicht schließen, Instrumental-Unterricht und das Schulfach Musik sind zwei verschiedene Dinge. Früher gehörte es schlicht zum bürgerlichen Selbstverständnis, ein Instrument zu beherrschen, heute setzt sich inzwischen immer mehr die Überzeugung durch, daß das nicht nur gut fürs Gemüt ist, sondern vor allem auch die soziale und intellektuelle Kompetenz fördert.

 

In diesem Themenkomplex ist unsere Referentin als Präsidentin des Landesverbandes Niedersächsischer Musikschulen zuhause. Als Vorsitzende der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ hat sie dem Deutschen Bundestag ihren beeindruckenden Abschlußbericht vorgelegt und sieht unser Thema daher bestimmt auch eingebettet in den kulturellen Gesamtzusammenhang. Ich freue mich deshalb ganz außerordentlich, daß es durch die freundliche Vermittlung von Herrn Mehring gelungen ist, hier heute eine solche kompetente Stimme zu hören.

Meine Damen und Herren, ich bedanke mich bis hierher für Ihre Aufmerksamkeit und begrüße am Rednerpult sehr herzlich Frau Gitta Connemann!

Sie haben das Wort zur „Musikalischen Bildung in Niedersachsen“!