Musikschuldirektor, von der Bürgermeisterin, vom Vorsitzenden der Arche Kammermusik, von der Schatzmeisterin und von mir,  d. h., daß alle wesentlichen, die musikalische Strömungen betreffenden Fragen in der Kulturstiftung auch eine Schnittstelle gefunden haben, die es so zuvor nicht gab.

 

Das sollte schon recht bald auch da sichtbar werden, wo man das nicht erwartet hätte. Ich erinnere zum Beispiel an die Sonderausstellung des Museums zum Jubiläum „300 Jahre Musikbad Pyrmont“. Ohne uns hätte es die gewiß nicht gegeben, und vor uns war das Bewußtsein dieser ganz ohne Beispiel dastehenden Historie hier in keiner Weise vorhanden. Ich werde in vier Wochen innerhalb der Vortragsreihe zum UNESCO-Weltkulturerbe weitere völlig neue Tatsachen zu unserem Musikleben vortragen. U. a. auch über den Zusammenhang zwischen Bruckner und Bad Pyrmont, der so aufregend ist, daß ich Sie damit jetzt völlig vom Konzert ablenken könnte! Und Herr Fischer hat ja auch recht, an den Telemann-Garten zu erinnern. Was wußte man denn in Pyrmont von der sprichwörtlichen „Bluhmenliebe“ des Komponisten Telemann, von seinen viel häugeren als bislang bekannt gewordenen Besuchen in Verbindung mit seinen 49 für Pyrmont geschriebenen Sätzen, bevor wir aufgrund einer von uns hier organisierten Tagung der Internationalen Telemann-Gesellschaften mit einer entsprechenden Anschubnanzierung das Projekt initiierten und ermöglichten? Heute ist es ein gern genutztes Highlight des Kurparks.

 

Und natürlich dürfen wir uns darüber freuen, daß wir mit dem großen Blüthner-Konzertflügel und Steinway-D-Flügel in Pyrmont also zwei musikalische Rolls-Roys in der Garage stehen haben, für die man neu 200.002,- € auf den Tisch des Kurhauses legen müßte. Da haben wir Hameln doch mal eine ganze Dimension voraus.

Und daß ich in meinem Leben auch noch die restaurierte einzige Konzertsaal­orgel Niedersachsens würde hören können, konnte ich mir auch lange nicht wirklich vorstellen. Das ist die Gelegenheit, um endlich auch zu sagen, daß dieses ganze Projekt der Kulturstiftung ohne die entschiedene Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Klaus-Henning Demuth wohl kaum zustande gekommen wäre, und ohne seine guten Kontakte zu Sponsoren und Stiftern die unbedingt erforderlichen Anschubkräfte gefehlt hätten. Das zeigt, daß es mit der Kultur ohne politische Rückendeckung generell schwerer vorangeht.

 

Ich habe mich daher auch ganz außerordentlich gefreut, daß wir in Fortsetzung der mit Landrat Butte bestandenen engen Beziehung, auch von Herrn Landrat Bartels über den Landschaftsverband eine Unterstützung erfahren haben, für die ich mich bei ihm recht herzlich bedanken möchte. Das gilt im übrigen auch für die Sparkassenstiftung, die ich aus dem großen Kreis der Spender und Sponsoren her­ausgehoben wissen will, die man hier leider nicht alle nennen kann, die aber von uns alle sehr genau und dankbar registriert wurden. An dieser Stelle füge ich in Erinnerung an den am Montag von uns gegangenen großen Künstler Claudio Abbado einen Satz von ihm ein, dessen Botschaft für uns Hinterbliebene gültig bleibt: „Ein Land ist reich, wenn es Kultur fördert. Kultur ist Reichtum, nicht umgekehrt.“

 

Daß wir heute abend Bruckner hören, ist wohl auch nicht ganz ohne historischen Hintersinn. Erst mit dieser Siebten schaffte er den Durchbruch zum musikalischen Welterfolg. Bis dahin stellte man ihm, wie ich das auch gegenüber der Kulturstiftung erfahren habe, ungünstige Prognosen. Der 16-jährige Bruckner besuchte den sog. Präparanden-Kurs in Linz und beendete ihn mit vorzüglichem Erfolg. Nur im      Orgelfach erhielt er 1841 bei der öffentlichen Musikprüfung an der   k. u. k. Normalhauptschule bloß die Note „gut“. Diese Begutachtung empfand Bruckner, der zeitlebens viel auf Prüfungen und Zeugnisse hielt, als drückende Schmach. Er ruhte nicht eher, bis sie getilgt war.

 

Als er nun 1845 die Schlußprüfung für Oberlehrer an Hauptschulen in Linz ablegte, bat er beim Orgelkurse seinen einstigen gestrengen Professor Dürrnberger um ein schwieriges Thema. Das führte er denn kontrapunktisch in Form einer Improvisation so meisterhaft durch, daß der entzückte Dürrnberger, längst selber ganz bestürzt über sein einstiges „gut“, mit tausend Freuden nun ein großes „sehr gut“ in das Zeugnis des glückstrahlenden Bruckner schrieb. Immerhin bleibt es ein seltsamer Spaß der Geschichte, daß der größte Orgelmeister und Improvisator seiner Zeit, und vielleicht aller Zeiten, bei seiner ersten Prüfung im Orgelfach nur „gut“ erhielt. Freuen Sie sich also auch auf die guten Improvisationen, die Oliver Kluge heute mit den Bruckner-Themen verbindet. Ich möchte an dieser Stelle auch schon mal informieren, daß er seine Position als Titular-Organist dieses Instruments in Zukunft an seinen Nachfolger, den Organisten der Pyrmonter Stadt­kirche, dem erfreuten Kantor Dirk Brödling, abgeben wird.

 

Wenn es einen Geburtstag oder ein Jubiläum zu feiern gilt, meine Damen und Herren, dann sind die Rollen ganz einfach verteilt: Die Gratulanten gratulieren – und der Jubilar bedankt sich. Wie seinerzeit im Kurtheater stehe hier also wieder vor Ihnen, um mich zu bedanken. Und da spielt mir der Zufall doch gestern, am „Tag des Kompliments“, unerwartet einen Text von Stefan Zweig in die Hände: „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“. Ich lese darin nach langen Jahren erneut den Satz: „Dankbarkeit, man spürt sie ja so selten bei Menschen, und gerade die Dankbarsten nden nicht den Ausdruck dafür, sie schweigen verwirrt, sie schämen sich und tun manchmal stockig, um ihr Gefühl zu verbergen.“

Und da dachte ich ganz spontan: Na, da hat sich der Stefan bei mir aber so was von geirrt. Denn natürlich nde ich den Ausdruck dafür, ich schweige auch nicht verwirrt oder schäme mich gar, ich bin noch nicht mal stockig, und meine Gefühle verberge ich schon gar nicht. Nein, bevor nun die Musik zu Ihren Herzen spricht, rufe ich es als schönstes Wort allen Gratulanten, allen Stiftern, Spendern und Sponsoren aus vollem Herzen zu, dieses etwas in Vergessenheit geratene, wichtige, wohltuende, wundervolle kleine Zauberwort „Danke“!